Reiserecht

Als 2010 der Eyjafjallajökull auf Island ausbrach und aufgrund der riesigen Aschewolke viele innereuropäische Flüge gestrichen wurden, rückte das Reiserecht für kurze Zeit in dem Mittelpunkt des Interesses.

Dabei gibt es kein einheitliches Reiserecht, sondern es setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen.
Zum einen gelten Bestimmungen auf internationaler Ebene, nämlich verschiedene Verträge und Vereinbarungen wie z.B. das Montrealer Übereinkommen zum Flugverkehr.
Zum anderen gibt es auf der europäischen Ebene verschiedene Vorschriften, z.B. die Informationspflichten von Reiseveranstaltern bzw. Reisebüros, die Fluggastverordnung oder die Pauschalreisen-Richtlinie.

Zuletzt muss man noch nationale Bestimmungen, in Deutschland §§651a ff., berücksichtigen.
In Deutschland wird zwischen dem Reisevertragsrecht für Pauschalreisen und dem Individualreiserecht unterschieden. Ersteres wird wiederum unterteilt in die Informationspflicht für Reiseveranstalter und das Reisevermittlungsrecht.

Das deutsche Reisevertragsrecht ist nach dem nationalen Schuldrecht eine besondere Vertragsart. Ein Reisevertrag wird zwischen dem Kunden und dem Reiseveranstalter für Pauschalreisen oder Reisebausteine geschlossen. Zu beachten ist hierbei, dass der Vertrag mit einem Reiseveranstalter, und nicht einem Reisevermittler geschlossen werden muss. Der Vertrag muss Bedingungen wie Datum des Vertragsabschlusses, der Firmenwortlaut des Veranstalters und dessen Firmensitz, Name und Anschrift des Kunden, Reisezeit bzw. Reisedauer, Reisepreis, Zahlungsmodalitäten und andere Daten enthalten. Seit 1994 erhält der Reisende einen Sicherungsschein, damit er gegen die Insolvenz des Veranstalters abgesichert ist. Nicht jede Reise entspricht jedoch den Vorstellungen der Reisenden, weshalb schon viele Gerichtsurteile zu Reisemängeln gesprochen wurden. Ein Mangel liegt laut Definition dann vor, wenn die Reise nicht der vereinbarten bzw. allgemein erwarteten Beschaffenheit entspricht. Diese Definition lässt jedoch auch Raum für Interpretationen. Kann bei einem Zwei-Sterne-Hotel beispielsweise das tägliche Wechseln der Handtücher erwartet werden? Dies und viele andere Streitfragen erregen immer wieder die Gemüter. Als Reisender sollte man dabei deshalb einige Dinge beachten. Zum einen muss ein Mangel während der Reise der Reiseleitung mitgeteilt werden. Erst wenn der Mangel auch dann nicht behoben wurde, kann ein Mangel nach dem Urlaub innerhalb von einem Monat schriftlich eingereicht werden. Die Frankfurter Tabelle gibt für eventuelle Minderungen grobe Richtwerte an. Man sollte jedoch bei der schriftlichen Einreichung einen Nachweis für die Zustellung bedenken, da der Nachweis beim Sender des Schreibens liegt. Wird der Mangel erst später gemeldet, ist dieser hinfällig, da dann die gesetzliche Ausschlussfrist greift. Dies gilt jedoch nicht bei Schadensersatzansprüchen, die jedoch erst bei erheblichen Einschränkungen bei einer Reise geltend gemacht werden können.

Nicht vergessen sollte man übrigens auch, dass es spezielle Fluggastrechte gibt, die beispielsweise bei Verspätungen und Annullierungen greifen.